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 Mai 1834

Der "Jägerverein" wird gegründet - Satzung von 1834

Statuten des Jäger-Vereins zu Neheim

In fast allen benachbarten Städten und Ortschaften wird jährlich ein Volksfest gefeiert, woran der Arme wie der Reiche, der Eingesessene wie der Fremde, der Verheiratete wie der Unverheiratete teilnehmen kann und gewiß ist ein solches Fest, wobei zwischen Rang und Stand kein Unterschied gemacht wird und wo sich jeder ohne Ausnahme seines Lebens freuen und froh und vergnügt sein kann, und wo überhaupt Gemeinsinn und Eintracht befördert wird, sehr wünschenswert. Mehrere Eingesessene fühlen sich deshalb veranlaßt, auch ein solches allgemeines Volksfest unter dem Namen "Jägerfest" in unserer Stadt zu begründen und hoffen, daß dieses nicht nur jedem Einwohner willkommen sein wird, sondern daß auch jeder gern das Seinige dazu beiträgt, damit das Fest mit Liebe, Einigkeit und zur Freude aller Teilnehmer gefeiert wird (*). Zu diesem Ende wurden nachstehende Bestimmungen getroffen:
  1. Die Stadt wird in 4 Kompagnien eingeteilt und macht jede Straße eine Kompagnie aus.
  2. Zählt eine Kompagnie mehr als die andere, so werden die zunächst wohnenden Jäger derjenigen Kompagnie, woran sie fehlen, überwiesen.
  3. Jedem Eingesessenen, sobald er kornfirmiert ist, steht es frei, gegen Erlegung des Beitrages an dem Fest teilzunehmen, er muß sich jedoch spätestens 8 Tage vor dem Fest gemeldet und den festgesetzten Beitrag entrichtet haben, widrigenfalls er zurückgewiesen wird.
  4. Jede Kompagnie wählt ihren Hauptmann durch Stimmen-Mehrheit und die 4 Hauptleute alsdann ihren Obersten, sowie die sonstigen Offiziere.
  5. Wer gewählt wird, muß den Posten annehmen, wenn nicht Krankheit oder Abwesenheit ihn hindert, oder fünf Taler an die Gesellschaft entrichten.
  6. Alle 6 Jahre wird von neuem gewählt, es sei denn, daß durch Abgang früher eine Stelle vacant wird.
  7. Das gesamte Offizier-Korps tritt einige Zeit vor dem Feste zusammen und berät die zu machenden Anordnungen; der Oberst hat dieserhalb das Nötige einzuleiten. Die Mehrheit der Stimmen entscheidet; sollten diese zufällig gerade zur Hälfte geteilt sein, so soll die Stimme des Obersten für 2 Stimmen gelten. Wer einer Versammlung nicht beiwohnt, unterwirft sich selbstredend den darin gefaßten Beschlüssen; es müssen die Hälfte Teilnehmer zugegen sein, um einen Beschluß von Wichtigkeit fassen zu können.
  8. Der Beitrag wird für dieses Jahr für jeden Jäger auf 20 Sgr. (Silbergroschen) festgesetzt, wofür er zugleich das Recht hat, eine Dame mit einführen zu können. Für später sind die Beiträge näher zu bestimmen.
  9. Jeder Fremde hat Zutritt und zahlt gegen eine Einlaßkarte 10 Sgr., sowie jede Dame 5 Sgr. pro Tag. Abänderungen hierin sind zulässig.
  10. Das gesamte Offizier-Korps hat die zu machenden Anordnungen zu bestreiten, und falls die Einnahmen die Kosten nicht decken, den Ausfall zu übernehmen; ergibt sich jedoch in den folgenden Jahren ein Oberschuß, so wird dieser zuvörderst zur Tilgung verwendet und was dann noch übrig bleibt, zum Besten der ganzen Gesellschaft aufgehoben.
  11. Das Fest dauert nie länger als 2 Tage, nämlich Sonntag und Montag; am ersten Tage wird nach einem Stern geschossen und am zweiten Tage finden verschiedene Belustigungen statt; für dieses Jahr 1834 wird das Fest auf den 31. August festgesetzt und für die Folge jedesmal auf den ersten Sonntag im August.
  12. Wer das letzte Stück vom Stern herunterschießt, ist König und erhält als Anerkennung einen Stern mit einer silbernen Medaille, darf aber unter keiner Bedingung den Jägern irgend einen Zech oder Festschmaus geben, will er sich freigebig zeigen, so wird der Verein es mit Dank anerkennen, wenn er demselben irgend ein Andenken an seine hohe Person übergibt; der Stern wird zurückgegeben.
  13. Durch Erklärung der Teilnahme und Zahlung des Beitrages verpflichtet sich jeder Teilnehmer unbedingt zu allen getroffenen Anordnungen und hat sich bei vorfallenden Streitigkeiten unverzüglich dem Urteile des Obersten und der 4 Hauptleute zu unterwerfen; war die Unordnung von einigem Belang, so soll bei der nächsten Generalversammlung darüber beraten werden, ob der Freudenstörer fernerhin würdig ist, an dem Feste teilzunehmen. Es sind hierbei Veranlassung und obwaltende Verhältnisse genau zu erwägen.
  14. Die Rangordnung der Kompagnien wird für das erste Jahr durch das Los bestimmt und für die Folge dahin festgestellt, daß jedes Jahr die Kompagnien einen Rang voran rücken, nämlich was dieses Jahr die erste Kompagnie ist, wird das künftige Jahr die vierte und was dieses Jahr die vierte gewesen ist, die dritte etc. Es kann darüber auch gütliche Vereinigung unter den einzelnen Hauptleuten stattfinden.
Neheim, im Mai 1834
Das Offizier-Korps:

F.W. Brökelmann, Th. Cosack, Jos. Frieling, Th. Vehling, Egon Cosack, Dr. Friedrich Josef Hilsmann, Julius Peiffer, Heinrich Frieling, F.W. Wolff, Wilh. Kuhlhoff.

(*) Nach den Statuten der bereits seit 1607 bestehenden Schützenbruderschaft konnten nur Hausbesitzer und, dem Charakter als kirchlicher Bruderschaft entsprechend, nur Katholiken dem Schützenbunde angehören. Auch Mädchen waren nicht zugelassen, sondern nur verheiratete Frauen. - red.

Quelle: Jägerverein Neheim 1834 e.V.


LINKS zum Thema:
http://www.jaegerverein.de/

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